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Spielwiese für Nachdenkliche:
Nachgefragt ... Nachgehakt ...

Ausführliches zu Spielwiese für Nachdenkliche

Empirische Experimente statt philosophischer Argumente


Zitat


Die Forschungen über genetische Erkenntnistheorie versuchen, die Mechanismen zu analysieren, nach denen Erkenntnis, sofern sie zu wissenschaftlichem Denken gehört, sich entwickelt, und weiter suchen sie, den Übergang von den Stufen der geringsten Erkenntnis zu denen der fortgeschrittensten Erkenntnis zu entdecken.


Meinung


Piaget behauptet, dass Wissenserwerb entsprechend biologisch gegebenen immanenten Metaregeln erfolgt. Seine Theorie basiert auf zwei Prinzipien: Äquilibration und Selbstorganisation.

Äquilibration kann als Bestreben von begrenzten Organismen verstanden werden, durch die Entwicklung interner Strukturen in einer unbegrenzten Informationsflut zu überleben. Selbstorganisation ist das Resultat der Äquilibration, denn begrenzte Systeme können auf den durch offene Umgebungen ausgeübten Integrationsdruck nur durch Entwicklung komplexer innerer Strukturen reagieren.

Äquilibration erfordert die Fähigkeit von Organismen einen bestimmten Zustand zu bewahren, trotzdem die Informationsflut offener Systeme ständige Anpassungsprozesse erforderlich machen. Die Organismen zielen in dem Prozess der Selbstorganisation darauf ab, reversible Funktionen auszubilden, durch die sie in die Lage versetzt werden, eine Änderung des eigenen Zustandes rückgängig zu machen. Ein Organismus mit reversiblen Funktionen ist in der Lage, Konstanten innerhalb der Informationsflut auszumachen. Piaget behauptet, dass die Mathematik die am weitesten entwickelten reversiblen Funktionen im menschlichen Denken bereitstellt. Weiterhin behauptet Piaget, dass die Entwicklungsstufe eines Organismus sich anhand der entwickelten reversiblen Funktionen und den entsprechenden konstanten Zuständen klassifizieren lässt.

Einige Beobachtungen Piagets sollen die bisherigen abstrakten Ausführungen verdeutlichen:
Ein vier Jahre altes Kind ist nicht in der Lage zu erkennen, dass Flüssigkeit in einer Flasche mit 1 Liter Inhalt unabhängig von der Form der Flasche dieselbe bleibt. Eine hohe schlanke Flasche scheint weniger Flüssigkeit zu enthalten als eine kurze dicke Flasche, selbst wenn vor seinen Augen der Inhalt umgegossen wird. Ältere Kinder dagegen können das Prinzip der Konstanz des Volumens auf Flüssigkeit, die von einer Flasche in die andere umgegossen wird, anwenden.

Ein zwei Jahre altes Kind ist nicht in der Lage zu erkennen, dass Spielzeug, welches vor seinen Augen hinter etwas anderem verborgen ist, dennoch weiterhin vorhanden ist. Es wendet seine Augen ab. Im Gegensatz zu diesem Verhalten versucht ein älteres Kind, aktiv das Spielzeug wieder zu erlangen.

Bild zu Konstanz des Inhaltes
Bild zu Konstanz des Objektes

Einführung in die genetische Erkenntnistheorie: S.51 bzw. S.58


Literatur :
Einführung in die genetische Erkenntnistheorie - Jean Piaget - Frankfurt a. Main 1973
Biologie und Erkenntnis - Jean Piaget - Frankfurt a. Main 1992
Intelligenz und Erkennen - Hans G. Furth - Frankfurt a. Main 1972