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Spielwiese für Nachdenkliche:
Nachgefragt ... Nachgehakt ...

Ausführliches zu Spielwiese für Nachdenkliche

Die Bedeutung der Objektkonstanz


Zitat


James (1950, Bd. 1, S. 459ff.) nennt diese Empfindung für Gleichheit "den eigentlichen Träger und Rückhalt unseres Denkens". Und er fügt hinzu, daß dieser Gleichheitssinn nur auf die Ansicht über die Geistesstruktur zutrifft. "Wir philosophieren nicht, sondern wir psychologisieren. Das heißt, es kümmert uns nicht, ob es bei den Dingen eine wirkliche Gleichheit gibt oder nicht oder ob sich der Geist in dieser Annahme täuscht oder nicht .... Ohne die psychologische Empfindung für Identität könnte aus der äußeren Welt Gleichheit auf uns niederregnen, und wir wären um nichts klüger." (S.184 in Denkprozesse ohne Sprache)



Erläuterung


Wir können ohne das gedankliche Konstrukt "Gleichheit" keine Gleichheit erkennen. Die Realität hat uns nichts zu sagen bevor wir nicht das gedankliche Konstrukt entwickelt haben, das Sinn macht.


Zitat


Für Piaget ist die allererste Manifestation der sich entwickelnden Intelligenz die Objekt-"Konstanz", die Fähigkeit, auf Dinge, die bekanntermaßen außerhalb sind, als beständig und gleich zu reagieren; die ersten Anzeichen für logische Operationen werden durch Urteile über die "Erhaltung" festgestellt, wobei es um die Identität des Objektes in einer bestimmten Hinsicht gegenüber wahrnehmbaren Veränderungen in anderer Beziehung geht; und das Kennzeichen des ausgereiften logischen Denkens ist die "Reversibilität", die Fähigkeit, jeden Zustand an einem Kontinuum von Möglichkeiten hypothetisch als potentiell jedem anderen Zustand gleich zu betrachten und zu demselben Zustand zurückzukehren, von die bestimmte Operation ausging.(ebenda)


Erläuterung


Wir können "Wandel" erst erkennen, wenn wir begriffen haben, dass verschiedene Zustände eines Objektes am Objekt nichts ändern, dass also Zustände umkehrbar sind. Sprache macht erst dann Sinn, wenn wir Realität begriffen haben. Der semantische Gebrauch von Informationsträgern setzt nicht-sprachliche Denkprozesse voraus, bevor die Sprache sich in ihrem Gebrauch ausdrücken kann. Sprache kann also Sinn nur ausdrücken, aber nicht "in die Realität hineinstopfen".



Literatur :
Denkprozesse ohne Sprache - Hans G. Furth - Düsseldorf 1972
The principles of psychology - W. James - New York, Dover 1950