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Spielwiese für Nachdenkliche:
Nachgefragt ... Nachgehakt ...

Ausführliches zu Spielwiese für Nachdenkliche

Daten, Information, Wissen

Erläuterung


Die konnotative Bedeutung eines Begriffes zielt auf Beziehungen zwischen dem Sprecher, dem Ausdruck und dem Gemeinten ab. A.L.Luft entwickelt basierend auf dem konnotativen Gebrauch der Sprache ein Modell der Informationsvermittlung, das die grundlegenden Informationseinheiten „Daten“, „Informationen“, „Wissen“ auf die Anforderungen kommunikativer Situationen zurückführt.

Mit anderen Worten gesagt ist es bei einer „Information“ unerheblich, wer kommuniziert und ob die Information lautsprachlich oder z.B. mittels Gebärden übertragen wird, während "Wissen" schlussendlich durch den persönlichen Hintergrund geprägt ist.
A.L.Luft definiert also die grundlegenden Begriffe für die Informationstechnik, indem er die Freiheitsgrade kommunikativer Situationen einschränkt. „Wissen“ besitzt für ihn alle Freiheitsgrade, vor deren Hintergrund erst die Einschränkungen der Freiheitsgrade von „Information“ und „Daten“ sichtbar werden. Daher ist „Wissen“ auch außerhalb des Wirkungsbereiches der Informationstechnik zu lokalisieren. Es handelt sich also letztlich um Hintergrundwissen, das bei der Interpretation vorgelegter Informationen eingesetzt wird..


Meinung


B.Petrof erläutert, dass die verschiedenen Wissensbegriffe, die sich im Laufe der Entwicklung von Expertensystemen und Wissensmanagementsystemen ergeben haben, immer auch auf philosophischen Hauptströmungen basieren. Die zurzeit vorherrschende Neigung, sich auf das kommunikative Paradigma, wie es A.L.Luft zusammengefasst hat, zu berufen, kann ebenfalls auf philosophische Grundlagendiskussionen zurückgeführt werden. Wissen – insbesondere Expertenwissen – ist danach nicht mehr eindeutig bestimmbar, sondern personenspezifisch bzw. interpersonell kommunikativ gegeben. M.a.W. besteht Skepsis gegenüber früheren Ansätzen, Faktenwissen als gegeben beschreiben zu können und Expertenwissen als von Faktenwissen ableitbar aufzufassen. Damit wird aber Wissen lediglich dem Aspekt der Algorithmisierbarkeit bzw. Nicht-Algorithmisierbarkeit unterworfen. Es wird nicht beschrieben.

A.L.Luft reflektiert die gängige Konsequenz aus dem Bemühen und Scheitern der künstlichen Intelligenz, Wissen algorithmisch zu repräsentieren. Was unterscheidet aber Hintergrundwissen von Hintergrundinformationen? Sind Hintergrundinformationen grundsätzlich algorithmesierbar, aber unbekannt? Wie aber soll ein Außenstehender fehlende Hintergrundinformationen von fehlendem Hintergrundwissen unterscheiden?

Wenn „Information“ dadurch definiert wird, dass die Freiheitsgrade in kommunikativen Situationen eingeschränkt sind, hieße das, dass Information im positivistischem Sinne verstanden werden kann. Denn Information wäre das unmittelbar Wahrnehmbare, das danach mit dem Hintergrundwissen individuell interpretiert wird. Interpretation ist jedoch nicht Rekonstruktion im konstruktivistischem Sinne. Interpretation kann nur vor schon gegebenen Rekonstruktionen stattfinden. Es muss „a priori“ Urteilsvermögen bestehen.



Literatur :
Zur begrifflichen Unterscheidung von Wissen, Information und Daten - Alfred Lothar Luft in: Begriffliche Wissensverarbeitung: Grundlagen und Aufgaben - Hrsg.: Wille,R, Zickwolff, M. - Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 1994
Wissensmanagement: konstruktiv-kritische Diskussion der bestehenden Ansätze - Boris Petroff - Bonn 1998