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Spielwiese für Nachdenkliche:
Nachgefragt ... Nachgehakt ...

Ausführliches zu Spielwiese für Nachdenkliche

wahre Erkenntnis


Meinung


Während die Positivisten die Realität als wahr voraussetzen und Wissenschaft als Methodik zum Erkennen der Wahrheit begreifen, scheinen die Konstruktivisten den Anspruch auf Wahrheit aufgegeben zu haben. Wie können aber Aussagen getroffen werden, ohne dass Lüge von Wahrheit unterschieden wird?

Kuhns Unterscheidung normaler Phasen der Wissenschaft von den Phasen des Paradigmenwechsels scheint nun den Konstruktivisten das Wort zu reden. Aber ein Paradigmenwechsel kann nur funktionieren, wenn die positiven Erkenntnisse der normalen Wissenschaft auch im neuen Paradigma erklärbar sind. Sie erscheinen nur in einem neuen Licht. Ihre Wertigkeiten und Beziehungen untereinander unterliegen lediglich einer neuen Interpretation.

Ich interpretiere die normalen Phasen der Wissenschaft als kumulatives Ansammeln von Detailwissen über Sachverhalte. Der wissenschaftliche Anspruch hinter diesem Ansammeln von Detailwissen besteht dabei in der Voraussagbarkeit von Abläufen der Welt (Naturwissenschaft) bzw. Erkennen von Zusammenhängen menschlicher Motivationen (Geisteswissenschaften). Kuhns Grundargument für ein Paradigmenwechsel besteht nun darin, dass Wissen, welches nicht in ein gegebenes Paradigma passt, zunächst unbeachtet beiseite gelassen wird (Anomalien). Erst wenn sich ein Paradigma in seiner sinnschaffenden Kraft erschöpft, wird auf die Anomalien zurückgegriffen, um sie als relevant für ein neues Paradigma aufzufassen.

Erkenntnis ist also in der Wissenschaft nicht von der Realität angeleitet, sondern von inneren Gesetzmäßigkeiten des Erkenntnisgewinns. Der Erkenntnisprozeß entscheidet über "Wahrheit" und "Falschheit" von Meinungen, nicht jedoch die Realität. Die Realität ist indifferent gegenüber Erkenntnis, erst der Prozess interpretiert Muster in die Realität hinein. Diese Muster sind jedoch nicht beliebiger Subjektivität oder Meinungsdemoskopie unterworfen, sonden müssen sich durch erfolgreiche Handlungsanweiungen bewähren.

Wissenschaft beruht also darauf, dass sie

Damit ist Wissenschaft eine Ausprägung des menschlichen Vermögens, einer indifferenten Realität Muster aufzuprägen, die ihn zu erfolgreichen (Über-)lebensstrategien befähigen.



Literatur :
Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen - Thomas S. Kuhn - Frankfurt a. Main - 1976