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Spielwiese für Nachdenkliche:
Nachgefragt ... Nachgehakt ...

Ausführliches zu Spielwiese für Nachdenkliche

Die Arroganz der Lautsprache


Zitat


Die Ansicht, die die Wahrnehmung einfach als das Sehen der Dinge "außerhalb" betrachtet, sucht den Beginn des typisch intelligenten Denkens in einigen Abstraktionen, die bei der Wahrnehmung oder der Vorstellung vorgenommen werden. Auf diese Weise vernachlässigt man die ordnende Aktivität des Individuums, das die Beobachtung macht, und entdeckt daher nicht die Wurzeln des intelligenten Denkens in der ganz einfachen und grundlegenden Wahrnehmnungsleistung. Außerdem führt das zu einer radikalen Spaltung zwischen wahrnehmendem und begrifflichen Denken, indem man das eine konkret und das andere abstrakt nennt. S.45-46


Meinung


"Tom hat einen Mantel." "Tom hat eine Krankheit." "Tom hat einen Gedanken." - Dieselbe linguistische Struktur dieser drei Sätze verführt dazu, "Mantel", "Krankheit" und "Gedanke" ähnlich objektiv zu behandeln. Der Gebrauch der Sprache verfälscht also die Wahrnehmung.

Sprache bildet Wirklichkeit nicht ab.

Vor diesem Statement wird erst die Untersuchung von Denkprozessen ohne Sprache legitim. Sprache ist ein Symbolsystem. Denken kann sich dieses Symbolsystems bedienen, ist aber nicht identisch mit ihm. Und die Arroganz der Unterscheidung "wahrnehmenden" von "begrifflichen" Denken, zwischen "konkret" und "abstrakt" ist künstlich.



Literatur :
Denkprozesse ohne Sprache - Hans G. Furth - Düsseldorf 1972